Vereinschronik:

Der Männergesangverein Laiz wurde im Februar 1908 unter dem ersten Vorstand Albert Ramsperger gegründet. Den Chor leite­te seinerzeit Richard Seeliger, der die Chorleitung im Jahre 1911 dem in Laiz ansässigen und tätigen Lehrer Xaver Kohler übergab. Die Jahre des Friedens waren für den Verein jedoch kurz. Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges (1914) wurden die meisten Sänger sowie der Chorleiter zu den Fahnen gerufen, um in den Krieg zu ziehen, aus dem zwölf Sänger nicht heimkehrten.

 

Nach den unmenschlichen Entsagungen und Entbehrungen in den Kriegs­zeiten und in den schweren nachfolgenden Jahren, die geprägt waren vom Ausbruch der Revolution, dem Staatsbankrott, dem Bürgerkrieg, der Infla­tion und anderen politischen Ereignissen, sehnten sich die Menschen (und auch die aus dem Krieg zurückgekehrten Sänger) nach friedlicher Betäti­gung. Für die Sänger des MGV ein Anlass, ihre durch den Krieg geschlage­nen Lücken wieder aufzufüllen und mit größerem Eifer als zuvor insbeson­dere die Pflege des Volksliedgutes wieder aufzunehmen. Jahrzehnte hindurch bildete der Gesangverein einen Mittelpunkt im wieder beginnenden Dorfleben und deckte in sinnvoller Weise den Nach­holbedarf der vergangenen entbehrungsreichen Jahre.saengerspruch.jpg

 

Ein Markstein in der Geschichte des Vereins bildete das Fest der eigenen Fahnenweihe am 24. Juli 1927, zu dem 25 Vereine und Musikkapellen erschienen waren. Der Entwurf der Fahne stammt von Professor Josef Henselmann, einem Sohn der Gemeinde Laiz. Der Entwurf wurde von den Schwestern des Klosters Habsthal ausgeführt. Die Fahne in den Farben grün und weiß symbolisiert - Weiß: das Zeichen der Reinheit = Rein soll das Herz des Sängers sein! Grün: die Farbe der Hoffnung = was wäre das Leben ohne Hoffnung?

 

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der MGV bei der Fahnenweihe am 24. Juli 1927
Hermann Rebholz Karl Stehle Alois Messner Josef Rebholz Albert Stehle Eugen Henselmann Gebhart Stroppel Anton Müller Stefan Wagner
Rupert Pfeifer Josef Mors Karl Bertrang Franz Wagner Ignaz Lieb Anton Wagner Josef Stehle Johann Mors Wilhelm Fetscher
Stefan Fröhlich Rudolf Stehle Franz Kleiner Karl Eisele Ferdinand Maier Thomas Stehle Albin Blender Johann Wagner Stefan Lutz
Anton Göggel Karl Maier Emil Stauss Xaver Kohler Johann Wolf Wilhelm Fuhrmann Karl Roth Arthur Bauer  
In den Anfangsjahren des Dritten Reiches, die politisch und gesellschaftlich geprägt waren durch die verordnete Gleichschaltung aller Menschen im Volke, wurden alle Lebensbereiche der nationalsozialistischen Reglementierung unterworfen. Auch an den Gesangvereinen ging diese Zeiterscheinung nicht vorbei und prägte auf Jahre das Gesicht und Leben des MGV Laiz. Die Sänger mussten anderen politischen "Vereinen" beitreten; das Liedgut wurden von allem "Undeutschen" befreit und musste in erster Linie der Verherrlichung der damaligen politischen Weltanschauung dienen. Die Folge war eine Verödung des Lied-Repertoires, in dem neben dem verordneten, zeitgenössischen Lied aber das deutsche Volkslied im wesentlichen unangetastet blieb.
Am 1. Juni 1934 traten die Sänger dem Schwäbischen Sängerbund bei. Als Mitglieder des Donaukreises nahm der Chor mit Pflicht- und Wertungschören an einer Reihe von Großveranstaltungen teil (u. a. 1936 Liederfest in Riedlingen) von denen er mit beachtlichen Noten heimkam.
Die Vereinstätigkeit kam dann in dem furchtbaren totalen Krieg (1939-1945) fast ganz zum Erliegen.
Wie schon nach dem ersten, begann auch nach diesem in seinen Auswirkungen furchtbareren zweiten Weltkrieg, aus dem ebenfalls viele Sänger nicht zurückkehrten, wenn auch zunächst zögernd, eine neue von den Zeiterscheinungen (Lebensmittel- Rationierung, Wiederaufbau der eigenen Existenzgrundlage, Besatzungsherrschaft usw.) geprägte Vereinstätigkeit.
Die Wiederbesinnung auf altes unzensiertes Liedgut war vornehmstes Anliegen des Chores unter der Leitung des damaligen Chorleiters KOHLER, der über dreißig Jahre das musikalische Geschehen des Chores prägte und dabei in der Vereinsführung unterstützt wurde von den Vorständen und Vorstandsmitgliedern Johann Wolf, Emil Stauß, Karl Roth (Vorsitzende), Stefan Lutz und Ferdinand Maier (Schriftführer).
Die geregelte Vereinstätigkeit begann erst wieder in den Jahren 1947/48, weil auch erst jetzt genügend Männer zur Vereinsbildung aus der Gefangenschaft in die Heimat zurückgekehrt waren.
Die Nachkriegszeit hatte man dann doch schnell überwunden und neues Leben pulsierte im Verein. In den folgenden Jahren, bis 1954, wechselten die Chorleiter öfters: Lehrer Demer, Lehrer Schmidt, Lehrer Hoch und Rektor Heinzelmann.
Es galt überdies das 50-jährige Vereinsjubiläum vorzubereiten. Motor dieser Arbeiten war ein rühriger Chorleiter, Konrad Burth, und ein ebenso rühriger Vorstand, Kurt Mors. Die Zahl der Sänger war mittlerweile auf 50 angestiegen, ein überaus erfreuliches Zeichen in einer Zeit, in der wirtschaftliches Streben und der Nachholbe­darf aus der vergangenen schweren Zeit die Entwicklung von Idealismus ungemein erschwerte.
Die Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahre 1958 waren dann ein absoluter Höhepunkt in der Vereinsgeschichte, der bis zum heutigen Tag nachklingt. Es bewahrheitete sich, was s. Zt. in der Schwäbischen Zeitung zu lesen stand:
    • Die Laizer werden noch in späteren Zeiten von dem schönen Fest des Jahres 1958 sprechen, das einen so weiten, begeisterten Widerhall ausgelöst hatte und in den gesanglichen Darbietungen erstrangig war.

Ein Höhepunkt und wahrer Kunstgenuss war der vom MGV Laiz, der sich eigens zum Jubiläum mit Frauenstimmen verstärkt hatte, dem Patenchor MGV Sigmaringendorf und dem kath. Kirchenchor Langenenslingen im Festkonzert gemeinschaftlich vorgetragene dritte Teil ,,Der Herbst“ aus dem Oratorium ,,Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn. Die musikalische Gesamtleitung für diese, von den Konzertbesuchern mit Beifallstürmen bedachten Chorvorträge, lag in der Hand der beiden Festchorleiter Pfarrer Ruff, Langenenslingen, und Konrad Burth, Laiz. Weit über 100 Sängerinnen und Sänger füllten die mit einem Vorhang abgeteilte Bühne innerhalb des programmgerecht dekorierten Festzeltes. Insgesamt nahmen 25 Vereine an den Jubiläumsveranstaltungen teil und trugen damit wesentlich zum Gelingen des Festes bei. Mit Fürst Friedrich von Hohenzollern als Schirmherr, Bürgermeister Paul Henselmann, als Festpräsident und Fabrikant Josef Eisele, als Ehrenpräsident standen dem Jubilar ehrenvolle Männer mit Rat und Tat zur Seite. Lange Jahre sollte der MGV Laiz von diesem unvergesslich gebliebenen Jubiläumsfest zehren.

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Der MGV beim 50-Jährigen Jubiläum im Jahre 1958

 

Karl Maier

Stefan Lutz

Stefan Fröhlich Rudolf Stehle Paul Henselmann Konrad Burth Kurt Mors
Emil Stauss Johann Mors Arthur Bauer Karl Eisele Johann Löffler    
David Walter Abert Heutele Johann Winz Lothar Scheit Albin Pfaff Karl v.Eickels Heinrich Schumacher
Hans Kanal Rupert Lieb Willi Henselmann Anton Müller Anton Wechsel Max Mors Adolf Roth
Herbert Zarnetzki Johann Maier Alois Messner Josef Rebholz Ignaz Lieb Walter Reck Max Reck
Erwin Mors Gerog Tress Oswald Schmidt Willi Kleiner Max Maier    
Philipp Maier Karl Stehle Werner Dietmann Alfred Wolf Bruno Maier Alfred Pfaff Berthold Löffler
Hermann Pfaff Hermann Rebholz Franz Kleiner        
Neben dem Höhepunkt in der Vereinsgeschichte dürfen hier aber auch nicht die Krisenjahre des Vereins (die 60-iger) verschwiegen werden. So führte der häufige Wechsel der Chorleiter dazu, dass über Jahre hinweg nur wenige öffentliche Auftritte möglich waren. Im Jahre 1960 übernahm Oberlehrer Schilling aushilfsweise für den bewährten Chorleiter Konrad Burth die Leitung des Chores, ehe Konrad Burth dann später wieder zur Verfügung stand. Eine Bewährungsprobe war zu bestehen, als Konrad Burth 1968 endgültig als Chorleiter ausschied und zunächst Wolf­gang Failer und dann sein Vater Karl Failer vorübergehend die Chorleitung übernahmen.
Der Zeitgeist, der geschilderte Chorleiter-Wechsel und viele andere Gründe waren verantwortlich für die seinerzeit drohende Vereinsauflösung. Die Überwindung der Krise ist nicht zuletzt dem unermüdlichen und keine persönlichen Opfer scheuenden Einsatz des ersten Vorsitzenden Walter Reck und der ihn viele Jahre unterstützenden Sängerkameraden Georg Tress (Schriftführer) und Erwin Mors (Kassierer) zu verdanken. So konnte der Verein schließlich seiner Aufgabe, einer der Mittelpunkte im gesellschaftlichen und kulturellen Dorfleben zu sein, gerecht werden.
Mit dem Chorleiter Romualdo Spacca, der für die musikalische Leitung des Chores im Jahre 1971 gewonnen werden konnte, fand dann der Verein wieder zu den gewohnten regelmäßigen Proben und öffentlichen Auftritten zurück.
Die Teilnahme des Vereins an fast allen Sängerfesten des Schwäbischen Sängerbundes und des Sängergaues sowie die gelungenen, meist von Max Reck hervorragend organisierten Ausflüge förderte die feste Verbundenheit unter den Sängern und sicherte damit den Vereinsbestand.
Der Chor entwickelte sich unter der sachkundigen und äußerst geduldigen Leitung des s.Zt. jungen Dirigenten Spacca, dem es stets gelungen ist, durch Auswahl angemessenen Liedgutes und einfühlsamer musikalischer Führung die Sänger immer wieder zu motivieren, zu einem bei öffentlichen Auftritten nicht unbeachteten Klangkörper.
Lothar Scheit übernahm 1973 als neuer Vorsitzender einen Verein, der seine kulturelle Aufgabe voll erfüllte. Unter seinem Vorsitz und dem Chorleiter hat der Verein durch regelmäßige und fleißige Probenarbeit sich weiter qualitativ entwickelt. Der Verein nahm wieder intensiv am kulturellen Geschehen in der Gemeinde teil und hatte durch die jährlichen Frühjahrskonzerte, durch seine traditionellen Fastnachtsveranstaltungen und sonstigen Auftritte wesentlichen Anteil am Gemeindeleben.
Siegfried Volk hat dann im Jahre 1981 den Vorsitz des Vereins übernommen. Die Zahl der Sänger ist unter seiner Leitung auf 40 Aktive gewachsen. Das war ein erfreuliches Zeichen in einer Zeit mit übergroßem Freizeitangebot und oft geringem Idealismus für die Vereinstätigkeit.
1983 feierte der Verein sein 75-jähriges Jubiläum.
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Der MGV beim 75-Jährigen Jubiläum im Juli 1984
... Fortsetzung folgt ...
 
 
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